Retreat-Wissen
Yoga Retreat kalkulieren: Kosten, Preis und Mindestbelegung
Ein Retreat ist solide kalkuliert, wenn du weißt, ab wie vielen zahlenden Personen deine Kosten gedeckt sind, und wann welches Geld fließt. Dafür unterscheidest du fixe und variable Kosten, berechnest den Deckungsbeitrag pro Person und planst Gebühren, Reserven und Steuern ein. Ein Rechenbeispiel zeigt den Weg, im Rechner trägst du deine eigenen Zahlen ein. Behalte dabei zwei Dinge im Blick: Umsatz ist nicht Gewinn, und auch ein rechnerisch rentables Retreat kann vor der Reise Geld binden, das du vorstrecken musst.
Die Kostenarten im Überblick
Für die Kalkulation zählt vor allem, wie sich eine Kostenart verhält, wenn sich die Zahl der Teilnehmerinnen ändert.
| Kostenart | Beispiele | Verhalten |
|---|---|---|
| Fixe Kosten | Exklusivmiete oder Mindestumsatz der Unterkunft, Raummiete, Co-Leitung mit Pauschalhonorar, dein geplantes Leitungshonorar, Material, Fotografie, Werbebudget | Fallen an, egal wie viele Personen buchen |
| Variable Kosten | Übernachtung pro Bett, Verpflegung, Transfers, Ausflüge, Willkommensgeschenk | Steigen mit jeder zusätzlichen Person |
| Gebühren | Zahlungs- und Buchungsgebühren, Provisionen von Plattformen, Kosten der Kundengeldabsicherung | Meist pro Buchung oder als Prozentsatz vom Preis |
| Reserve | Unvorhergesehenes, Wechselkurse, Ausfälle, Rabatte | Bewusst eingeplanter Puffer |
Prüfe bei jeder Position, ob sie wirklich fix oder variabel ist. Viele Unterkünfte verlangen zum Beispiel eine Mindestabnahme an Zimmern oder einen Mindestumsatz – dann verhalten sich scheinbar variable Zimmerkosten bis zu dieser Grenze wie fixe Kosten.
Dein Honorar gehört in die Kalkulation
Ein häufiger Fehler: Das eigene Honorar fehlt in der Kalkulation oder gilt als „das, was übrig bleibt“. Plane stattdessen ein festes Leitungshonorar als fixe Kosten ein. Dann zeigt dir die Kalkulation, ab welcher Belegung deine Arbeit bezahlt ist – und alles darüber ist Reserve oder zusätzlicher Ertrag.
Denk dabei an die gesamte Arbeitszeit: Konzept, Vermarktung, Kommunikation mit Teilnehmerinnen, die Tage vor Ort und die Nachbereitung.
Reserven, Gebühren und Steuern
Gebühren werden gern unterschätzt, weil sie klein wirken. Rechne sie pro Person durch, auch Kosten für Rückerstattungen und Rabattaktionen.
Reserven fangen auf, was sich nicht planen lässt: eine Stornierung nach der Frist der Unterkunft, gestiegene Preise oder ein zusätzlicher Transfer.
Steuern hängen von deiner Situation ab – etwa davon, ob du umsatzsteuerpflichtig bist und wer die Reise veranstaltet. Für Reiseleistungen gibt es in der EU eine besondere Umsatzsteuerregelung, die sogenannte Margenbesteuerung (Art. 306–310 MwStSystRL; in Österreich § 23 UStG 1994, in Deutschland § 25 UStG). Sie greift nicht in jedem Fall. Lass dich dazu steuerlich beraten und rechne alle Werte auf derselben Basis, also entweder durchgehend netto oder durchgehend brutto.
Rechenbeispiel zur Mindestbelegung
Vereinfachtes Beispiel
Dieses Beispiel ist didaktisch vereinfacht und keine Kalkulation von Just Yoga It. Alle Werte stehen auf derselben vereinfachten Nettobasis.
- Fixe Kosten einschließlich deines geplanten Leitungshonorars: 6.000 €
- Variable Kosten pro Person (Unterkunft, Verpflegung): 180 €
- Weitere variable Gebühren pro Person: 60 €
- Preis pro Person: 900 €
Deckungsbeitrag pro Person: 900 − 180 − 60 = 660 €. So viel trägt jede zahlende Person zur Deckung der fixen Kosten bei.
Rechnerische Kostendeckung: 6.000 ÷ 660 ≈ 9,1. Da nur ganze Personen buchen, sind die Kosten ab zehn zahlenden Personen gedeckt. Bei neun Personen fehlen noch 60 €.
| Zahlende Personen | Umsatz | Variable Kosten und Gebühren | Fixe Kosten | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 8 | 7.200 € | −1.920 € | −6.000 € | −720 € |
| 10 | 9.000 € | −2.400 € | −6.000 € | +600 € |
| 12 | 10.800 € | −2.880 € | −6.000 € | +1.920 € |
Das Ergebnis enthält bereits dein geplantes Honorar. Die 600 € bei zehn Personen sind also Puffer oder zusätzlicher Ertrag – noch vor Steuern, möglichen Rabatten, Ausfällen und den konkreten Vertragsbedingungen, die du separat berücksichtigen musst.
Wie empfindlich die Rechnung reagiert, zeigt ein Frühbucherrabatt von zehn Prozent für alle: Bei einem Preis von 810 € sinkt der Deckungsbeitrag auf 570 €, und die Kosten sind erst ab elf Personen gedeckt.
Rechner für deine eigenen Zahlen
Trag deine Werte ein. Der Rechner läuft nur in deinem Browser; deine Eingaben werden nicht gespeichert oder übertragen. Er ersetzt keine vollständige Kalkulation mit Steuern, Rabatten und Vertragsbedingungen.
- Deckungsbeitrag pro Person
- 660 €
- Kosten gedeckt ab
- 10 zahlenden Personen
- Ergebnis bei 10 Personen
- +600 €
Rechnerisches Ergebnis vor Steuern, Rabatten und Ausfällen.
Zahlungszeitpunkte und Liquidität
Ein Retreat kann sich am Ende rechnen und trotzdem vorher Geld binden. Unterkünfte verlangen oft schon Monate vor dem Retreat eine Anzahlung, während die Buchungen erst nach und nach eingehen. Skizziere deshalb, wann welches Geld fließt:
- Vertrag mit der Unterkunft: erste Anzahlung, oft bevor die erste Buchung eingeht.
- Verkaufsphase: Anzahlungen der Teilnehmerinnen gehen ein.
- Einige Wochen vor dem Retreat: Restzahlung an die Unterkunft, Restzahlungen der Teilnehmerinnen.
- Nach dem Retreat: letzte Rechnungen, Endabrechnung, Auszahlung des Honorars.
Wann und in welcher Höhe Teilnehmerinnen im Voraus zahlen dürfen, hängt davon ab, wer die Reise veranstaltet und wie die Kundengelder abgesichert sind. In Österreich begrenzt die Pauschalreiseverordnung die Vorauszahlungen: Kundengelder dürfen frühestens elf Monate vor dem Reiseende angenommen werden, mehr als 20 Prozent des Reisepreises in der Regel erst 20 Tage vor Reiseantritt (§ 4 Abs. 4 PRV). Verlangt die Unterkunft früher den vollen Betrag, entsteht eine Lücke, die vorfinanziert werden muss. Kläre das, bevor du Zahlungsbedingungen veröffentlichst.
Den Preis festlegen
Ein tragfähiger Preis entsteht aus drei Blickwinkeln:
- Kosten: Liegt die Kostendeckung bei einer Belegung, die du realistisch erreichst?
- Vergleich: Was kosten ähnliche Retreats in Region, Dauer und Ausstattung?
- Wert: Was ist enthalten, und ist das für deine Zielgruppe klar erkennbar?
Unterschiedliche Zimmerkategorien, ein Einzelzimmerzuschlag oder eine Frühbucherfrist können sinnvoll sein. Rechne jede Variante durch, bevor du sie veröffentlichst – wie das Rabattbeispiel oben zeigt, verschiebt schon ein kleiner Nachlass die Zahl der Buchungen, ab der deine Kosten gedeckt sind.
Häufige Kalkulationsfehler
- Das eigene Honorar fehlt in der Kalkulation.
- Gebühren und Rabatte werden nicht pro Person durchgerechnet.
- Die Mindestbelegung steht fest, aber ohne Datum, bis wann sie erreicht sein muss.
- Die Stornofristen der Unterkunft passen nicht zu diesem Datum.
- Netto- und Bruttowerte werden vermischt.
- Die Liquidität vor dem Retreat wird nicht geplant.
Wie die Kalkulation mit der übrigen Planung zusammenhängt, zeigt der Ratgeber Yoga Retreat planen. Welche Fragen du einer Unterkunft zu Preisen und Fristen stellen solltest, steht im Ratgeber Retreat-Location finden.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Buchungen trägt sich ein Retreat?
Das hängt von deinen Zahlen ab: Du teilst die fixen Kosten durch den Deckungsbeitrag pro Person, also den Preis minus variable Kosten und Gebühren. Im Rechenbeispiel dieser Seite (vereinfacht, keine Kalkulation von Just Yoga It) sind die Kosten ab zehn zahlenden Personen gedeckt. Mit dem Rechner prüfst du deine eigenen Werte.
Welche Kosten vergessen Gastgeberinnen oft?
Häufig fehlen das eigene Honorar, Gebühren und Rabatte pro Person, eine Reserve für Unvorhergesehenes und die Liquidität vor dem Retreat, weil Unterkünfte oft schon Monate vorher eine Anzahlung verlangen. Auch Netto- und Bruttowerte werden vermischt. Prüfe jede Position, bevor du den Preis veröffentlichst.
Wie lege ich den Preis fest?
Ein tragfähiger Preis entsteht aus drei Blickwinkeln: den Kosten (liegt die Kostendeckung bei einer Belegung, die du realistisch erreichst?), dem Vergleich mit ähnlichen Retreats in Region, Dauer und Ausstattung und dem Wert, also dem, was enthalten ist und für deine Zielgruppe klar erkennbar sein muss. Rechne jede Variante durch, bevor du sie veröffentlichst.
Rechtsquellen
Amtliche bzw. offizielle Fassungen, abgerufen am 6. Oktober 2026. Die steuerlichen und rechtlichen Hinweise sind eine allgemeine Orientierung und keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall.
Österreich
- § 4 PRV – Pauschalreiseverordnung – Höhe der Versicherungssumme (Annahme von Kundengeldern) (RIS)
- § 23 UStG 1994 – Besteuerung von Reiseleistungen (RIS)
Deutschland
- § 25 UStG – Besteuerung von Reiseleistungen (gesetze-im-internet.de)
Europäische Union
- Art. 306–310 MwStSystRL – Richtlinie 2006/112/EG über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem – Sonderregelung für Reisebüros (EUR-Lex)
